Klassifikation: bild

Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung:   Schlangen (Serpentes)
Familie: Nattern (Colubridae)
Unterfamilie: Wassernattern (Natricinae)
Gattung: echte Nattern (Natrix)
Art: Natrix natrix
Quelle: A.Schmid

Der Name “Ringelnatter“ wurde aus dem lateinischen Namen Natrix, die Schwimmerin, abgeleitet. Veraltete Namen wie Schwimm- oder Wassernatter werden kaum noch benutzt.
Sie steht auf der ROTEN LISTE der gefährdeten Tiere unter dem Status "gefährdet", in Nordrhein-Westfalen inzwischen sogar unter "stark gefährdet"!
Sie ist durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt und darf nicht verfolgt werden. ( WA3, EUV-C )
Sie ist bis auf wenige Ausnahme in großen Teilen Europa zu finden.


Derzeit unterscheidet man folgende Unterarten :
Bei einigen sind sich die Experten noch unschlüssig ob es sich dabei um eigenständige Unterarten handelt.

Aktuelle Informationen

Natrix natrix algirus (SOCHUREK 1979)

adult Natrix natrix astreptophora (SEOANE 1884)

Natrix natrix calabra (VANNI & LANZA 1983)

Natrix natrix cetti (GENÉ 1838)

Natrix natrix corsa (HECHT 1930)

Natrix natrix cypriaca (HECHT 1930)

Natrix natrix fusca (CATTANEO 1990)

Natrix natrix gotlandica (NILSON & ANDRÉN 1981)

Quelle: A.Schmid

Natrix natrix helvetica (LACÉPÈDE 1789)

Natrix natrix lanzai (KRAMER 1970)

Natrix natrix natrix (LINNAEUS 1758)

Natrix natrix megalocephala (Großkopf-Ringelnatter)
Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts Dresden haben 2013 herausgefunden, dass es sich bei der Natrix megalocephala genetisch um die Unterart Natrix natrix persa handelt.Bei Interesse kann ich gerne die Publikation weiterleiten

Natrix natrix persa (PALLAS 1814)

Natrix natrix schweizeri (L. MÜLLER 1932)

Natrix natrix scutata (PALLAS 1771)

Natrix natrix sicula (CUVIER 1829)



Hier sieht man schön die Farbenvielfalt der einzelnen Unterarten anhand eines direkten Vergleichs.

a=helvetiva
b=natrix
c=persa
d=astreptophora

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Quelle: E.Nikolaus




Färbung und Zeichnung :

Die Augen sind mittelgroß mit runden Pupillen und gelblicher Iris.
Der Kopf der Tiere ist deutlich vom Körper abgesetzt, die Pupillen sind rund. Auf der Kopfoberseite befinden sich sehr große Schuppen. Die Oberlippe wird von sieben (selten sechs oder acht) Oberlippenschuppen (Supralabialia) gebildet, wobei die dritte und vierte den Unterrand des Auges bilden. Vor dem Auge befindet sich nur eine Schuppe (Praeoculare), dahinter meistens drei oder vier Hinteraugenschuppen (Postocularia). Die Nasenlöcher sind nicht nach oben gerichtet, sondern etwas zu den Seiten versetzt
Auffälligstes Erkennungsmerkmal sind die gelblichen oder manchmal auch weißen „Halbmondflecken“ auf beiden Seiten hinter dem Kopf, die nur bei der spanischen Unterart Natrix natrix astreptophora fehlen.
Diese Flecken nennt man Lunarfleckenpaar. Die Linarflecken sind zwischen den Occipitalflecken (Vorderflecken) und den Nuchalflecken (Hinterhauptflecken) eingeklemmt, die beide meist dunkel bis schwarz sind.

Die Oberseite variiert von grau, bräunlich bis hin zu olivgrün. Einige Exemplare weisen 4-6 Längsreihen dunkelgrauer bis schwarzer Flecken an der Flanke auf. Diese Flecken können auch nur angedeutet sein oder ganz fehlen. Die Unterseite ist grau, weiß oder gelblich mit schwarzen Flecken.
Vereinzelt sind auch sogenannte „Schwärzlinge“ anzutreffen, die wie der Name schon sagt fast rein schwarz sind. Bei diesen dunkelt die Grundfarbe so viel nach, dass man die Zeichnung kaum noch erkennt. Bei Jungtieren ist der Kontrast zu Grundfarbe und Zeichnung noch wesentlich ausgeprägter

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Quelle: Naturfotogalerie.de

Hier sieht man schön den Unterschied zwischen zwei normal gefärbten Männchen und einem melanistischen Weibchen. Das Bild wurde von Klaus-Peter Endres 2010 im Oberammergau geschossen.
Im Jahr 2012 konnte er es erneut mit einer Ansammlung Männchen beobachten.

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Interessant finde ich, dass es wohl nicht nur die ganz schwarzen Melanisten gibt, sondern auch wie dieses Weibchen "Teilmelanisten", bei denen noch Mondflecken oder auch teilweise Zeichnung erkennbar ist
Die Schwarzfärbung scheint in kühleren Gebieten, etwa in Nordeuropa, in Moorgebieten oder in Gebirgen, häufiger aufzutreten als in wärmeren Gebieten.



Leuzisten
Derzeit sind mir nur Phillip Otto`s leuzistische Tiere bekannt. Allesamt stammen aus dem selben Gelege. Leider befinden sich nur noch 2 Weibchen und zwei wildfarbene Männchen in Deutschland, 2,1 davon bei Phillip Otto.
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Ein weiteres Pärchen wurde nach Japan verkauft. Verpaarungen in den nächsten Jahren werden zeigen wie bzw. ob es sich vererbt.

Leuzisten fehlen alle Farbpigmente.
Bereiche, die mit dem Zentralnervensystem unmittelbar zusammenhängen, besonders die Augen, haben meist zumindest eine gewisse Anzahl pigmentbildender Zellen, so dass die Augen von leuzistischen Tieren dunkelblau (fast schwarz) bis blau gefärbt sind, je nachdem, wie hoch die Anzahl der Pigmentzellen ist.
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Albinos
Unter Albinismus versteht man einen angeborenen totalen oder partiellen Pigmentmangel in der Haut und im Auge infolge einer Fehlfunktion verschiedener Enzyme.
Albinotische Tiere sind daher reinweiß mit roten Augen.
Albinos treten weit häufiger auf als Leuzisten. Es sind mir lediglich vereinzelte Funde in der Schweiz bekannt.
Leider haben Albinos in freier Natur durch ihre auffällige Farbe kaum eine Überlebenschance.
Im Jahr 2006 gelang es Michael Bollhorn eine albinotische Ringelnatter zu züchten. Leider ging das Tier später an ungeklärter Ursache ein.
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Größe:
Im ersten Lebensjahr wächst die Ringelnatter etwa 30 Zentimeter, danach, je nach Nahrungsangebot, rund zehn Zentimeter.
Die meisten Ringelnattern werden nicht größer als 1 Meter. Männchen werden nur um die 60-80 cm , Weibchen hingehen 100-120 cm…. Ausnahmen vorbehalten.
Es wurden schon Exemplare gefunden mit einer Länge von mehr als 140 cm.
Die Größe ist immer vom Alter und vom Nahrungsangebot abhängig. Grundsätzlich gilt für alle Schlangen: je älter die Tiere werden, desto länger werden sie auch, da Schlangen ihr ganzes Leben lang wachsen.
Der Wachstumsprozess (und die damit verbundene Häutung) wird mit zunehmenden Alter geringer, aber stoppt nie endgültig.

Die Unterart Natrix natrix helvetica, auch Barrenringelnatter genannt, wird mit bis zu 180 cm einiges größer. Der Rhein bildet hier eine Grenze zwischen den beiden Unterarten.




Alter:
Ringelnattern können 20 bis 25 Jahre alt werden.
Durch die vielen Prädatoren erreichen sie dieses Alter aber nur selten. Mit zunehmender Größe verringert sich die Gefahr des gefressen werdens.



Ringelnattern sind wie alle Schlangen vollständig taub. Sie verfügen weder über ein Aussenohr noch über Gehörgänge. Lediglich das Innenohr ist ausgebildet, wodurch die Tiere sehr empfindlich gegenüber Erschütterungen sind.
Die Empfindlichkeit ist jedoch nur gewährleistet, wenn die Ringelnatter mit dem Kopf direkten Kontakt zum Untergrund hat, da die Schwingungen von den Unterkiefern über das Quadratbein weitergeleitet werden.
Nicht umsonst werden die Ringelnattern in Japan in Terrarien gehalten und schon seit Jahren zur Erdbebenfrüherkennung eingesetzt.

Die visuelle Wahrnehmung dagegen ist bei ihr sehr gut ausgebildet, wobei sie überwiegend auf Bewegungen reagieren.





Aktionsradius:

Ihr Aktionsradius beschränkt sich im Normalfall auf rund 300-500 m. Exemplare am Wasser, vor allem in Habitaten mit hohem Amphibienvorkommen, kommen mit sehr wenig Aktionsradius aus und sind jahrelang am selben Platz anzutreffen. Wenn Nahrungsangebot, Möglichkeiten zur Thermoregulation und zur Fortpflanzung (Eiablage) auf kleinem Raum gegeben sind, hat auch die Ringelnatter kein Bedürfnis grössere Strecken zurückzulegen.

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